Der DGB hat eine bundesweit repräsentative Umfrage(1) mit über 8.000 Teilnehmern durchgeführt. Knapp die Hälfte (44 %), traut sich demnach nicht, Probleme im Betrieb gegenüber Vorgesetzten anzusprechen. Jede(r) Dritte sieht sich nicht ausreichend wertgeschätzt. Diese Ergebnisse hätten auch aus einem anderen Jahrzehnt entspringen können! Müssten die Befunde nach Jahren der aktiven Arbeit an Firmenkultur und Arbeitsklima nicht viel besser ausfallen? Spricht das Management noch immer eine andere Sprache als die Mitarbeiterschaft?

Schauen wir uns die Ergebnisse im Einzelnen an:

  • Offene Ansprache von Problemen: Rund 44 % der Befragten gaben an, im Betrieb kein (12 %) oder nur in einem geringen Maß (32 %) ein Meinungsklima zu erleben, in dem man sich traut gegenüber Vorgesetzten Probleme offen anzusprechen. Bei MitarbeiterInnen ab 55 Jahren oder älter liegt der Anteil sogar bei 52 %. In kleineren Betrieben fallen die Werte etwas besser aus als in mittleren und großen Unternehmen.
  • Arbeitsplatzwechsel: Der Effekt des Meinungsklimas zeigt sich laut Umfrage auch darin, dass der Anteil von Mitarbeitenden, die sich mit dem Gedanken eines Arbeitsplatzwechsels beschäftigen, in Betrieben mit gering ausgeprägtem offene Meinungsklima deutlich größer (29 %) ausfällt, als in solchen mit hoch oder sehr hoch ausgeprägtem offenen Meinungsklima (11 %). Und das in Zeiten akuten Fachkräftemangels! Die anschließenden Fluktuationskosten sind dabei nicht unerheblich. Man kann hier von 30-50 % des Jahresgehalts im unteren Management, 1,5 Jahresgehältern im mittleren Management und von bis zu vier Jahresgehältern bei Spezialisten und Führungskräften im Topmanagement ausgehen.
  • Fehlende Wertschätzung: In der Umfrage gaben ein Drittel der Befragten an, dass sie sich gar nicht (6 %) oder nur im geringen Maße (26 %) von ihren Vorgesetzten wertgeschätzt fühlen. Die empfundene Wertschätzung steigt dabei mit dem Qualifikationsniveau der Mitarbeitenden. Leider gibt die Studie über die Ursache keine Auskunft. Interessant wäre hier zu ermitteln, ob die Belegschaft grundsätzlich weniger Wertschätzung erfahren hat oder diese schlichtweg weniger wahrnimmt. Aus der Glücksforschung weiß man heute, dass die Wahrnehmung des eigenen Wohlbefindens stark von inneren Faktoren abhängt. Das nimmt gerade Führungskräfte von niedrig qualifizierten MitarbeiterInnen in die Pflicht, ein ebenbürtiges Ergebnis zu erreichen.
  • Kollegiale Unterstützung: Die Studie hat aber auch ein positives Ergebnis zu bieten: 85 % der Beschäftigten beurteilen die Hilfe und Unterstützung durch KollegInnen positiv. Demgegenüber geben 35 % an, dass die Kollegialität nicht oder nur im geringen Maße gefördert würde. Dabei scheint gerade diese Förderung positive Effekte zu haben: Betriebe, die die Kollegialität fördern, beurteilen nämlich ganze 94 % die Hilfe und Unterstützung durch KollegInnen positiv.

Warum sich Einsatz für die Mitarbeiterzufriedenheit lohnt, zeigt eine andere Studie(2), über die ich schon in meinem letzten Post berichtet habe: Unternehmen, die sich ernsthaft und authentisch um ihre Belegschaft kümmern, haben eine signifikant höhere Gewinne und Renditen.

Wie schön aber ein echter Kulturwandel auf ein Unternehmen wirkt, dürfen wir oft bei der Begleitung von Unternehmen mit SUMAK KAWSAY erfahren. Dabei tritt zuweilen auch das oft eigentliche Ziel der Unternehmensentwicklung in den Hintergrund, wenn der Vorstand anmerkt, dass auch die eigene Freude an der Arbeit durch das bessere Arbeitsklima wieder gewachsen ist. Einen schöneren Indikator, dass alles gut läuft, kann es ja gar nicht geben.

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein gutes Arbeitsklima für alle Beteiligten.

Markus Duelli

Quellennachweis und Bildrechte

(1) Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) (Hrsg., 24.01.2019). DGB-Index Gute Arbeit kompakt. Prima Klima? Wie die Beschäftigten die sozialen Bedingungen im Betrieb bewerten. Ergebnisse der repräsentativen Befragung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Online: https://www.dgb.de/themen/++co++81b08f4e-1f0e-11e9-bf54-52540088cada (24.01.2019).

(2)  Edmans, Alex (2011). Does the Stock Market Fully Value Intangibles? Employee Satisfaction and Equity Prices. Journal of Financial economics. 101, 3, 621–640. Online: http://faculty.london.edu/aedmans/Rowe.pdf (24.01.2019).

(3) Bild: Foto: © Photographee.eu von https://stock.adobe.com